Elric

Ich hab auch wieder ein Buch durch: Der magische Stein von David Zindell.

Nun zunächst mal: das Ding ist ein echter Brocken: 1060 Seiten Geschichte in ziemlich engem Druck!

Wen das nicht abschreckt, der kann hier zunächst mal eine sehr klassische Queste lesen, in der eine Gruppe von Abenteurern durch die Welt zieht auf der Jagd nach dem Lichtstein, welcher von den Engeln zur Erde geschickt wurde. Natürlich versucht "der Böse" sie daran zu hindern. Es gibt haufenweise Prophezeihungen, jede Menge klassische Hilfen auf dem Weg, einen Showdown mit allem was dazu gehört und natürlich die obligatorische Liebesgeschichte zwischen vermeintlichen Feinden.

Alles in allem würde man das Buch also als 0815-Standard-Fantasy abtun und sofort sagen: kenn ich schon, brauch ich nicht, die über 1000 Seiten spare ich mir. Besonders wenn man einen ich-Erzähler im Buch nicht mag.

Dann würde man allerdings einiges verpassen!

Zunächst einmal wäre da eine wundervolle Welt, die klar durchdacht ist und mit einer solchen Fülle an tollen Orten und Gebieten aufwarten kann, dass es ein wahrer Traum ist, diese durch die Augen Valashus kennen zu lernen und zu staunen.

Eine solch dichte Atmosphäre und eine solche Vielfalt an Völkern und Geschichten hab ich noch selten gelesen.

Außerdem ist man bei diesem Buch eben nicht auf den Ich-Erzähler beschränkt, weil Valashu die Gabe hat die Gefühle anderer Menschen/Wesen selbst zu fühlen und damit also seine Gegenüber auch beschreiben kann.

Was das Buch aber noch spannender und interessanter macht ist die zweite, etwas schwerer zu fassende Ebene, die hier berührt wird: Ist die Wahrheit immer richtig? Ist es korrekt einen Menschen zu töten, weil er von anderen zum Kampf angestiftet wird? Ist es in Ordnung ein durch und durch böses Wesen zu vernichten? Hat ein Mensch das Recht dazu und wer verleiht es ihm? Wie viel stirbt in einem Menschen, wenn er einen anderen tötet? Bringt man also mit jedem Mord einen Teil von sich selbst um? Wie lange ist so etwas auszuhalten?

Wer sich nach der Lektüre mit derartigen Fragen konfrontiert sieht, der hat das Buch meines Erachtens richtig verstanden und aufgenommen. Der erste Band (denn das ist dieses Buch "nur") gibt keinerlei Antwort darauf und versucht auch nicht den Leser in eine bestimmte Richtung zu drängen. Nein, es werden die Fragen gestellt und jeder kann entscheiden, ob er sich mit ihnen beschäftigen will. Das Buch funktioniert also sowohl als reine Unterhaltung als auch als Denkanstoß für tiefer gehende Gedanken und Verhaltensweisen. Ich bin überzeugt, dass noch mehr Fragen in den nächsten Bänden auftauchen werden, aber ich will es hierbei mal belassen.

Noch ganz kurz als Bemerkung: Spannend ist das Buch am Anfang kaum, weil eigentlich klar ist, wohin alles führen muss. Allerdings steigert sich das Buch während des Verlaufs kontinuierlich und ließ mich gegen Ende kaum mehr los!